Sonntag, 29. Oktober 2017

Frankfurt Marathon

Eine Teamkollegin vom x-Bionic Ladies Tri Team konnte unfallbedingt nicht am Frankfurt Marathon starten und hatte deshalb ihren Startplatz zu vergeben. Da ich einerseits noch nie in Frankfurt war und andererseits für den Herbst keine Wettkampfpläne hatte, hatte ich ohne lange zu zögern ihren Startplatz im Sommer übernommen. Etwas mehr Mühe hatte ich dieses Mal die langen Läufe unterzubringen. Philippe war da auch keine grosse Hilfe, da er den Frankfurt Marathon nicht laufen wollte und so verbrachten wir die freie Zeit am Wochenende meistens auf dem Rennrad oder dem Bike, nicht gerade optimal als Marathon-Vorbereitung. Immerhin habe ich es dann doch noch geschafft, je einen Lauf über 25km und 28km zu absolvieren sowie den Hallwilersee anlässlich des Erlebnislaufs zu umrunden.
Am Freitagmorgen fuhren Philippe und ich mit der Bahn über Zürich nach Frankfurt. Unser Hotel lag ganz in der Nähe vom Bahnhof, etwa in der Mitte von der Messe und der Innenstadt. Am Nachmittag gingen wir die Startnummer abholen und stöberten durch die Marathonmesse. Danach besichtigten wir die Innenstadt und gönnten uns im "Baltique Deli" feine Pfannkuchen zum Abendessen.
Eine Attraktion vom Frankfurt Marathon ist der 5km lange Brezellauf am Samstag vor dem Marathon. Den liessen wir uns natürlich nicht entgehen. Von der Messe joggten wir in die Innenstadt an den Main und wieder zurück zur Messe, wo wir den ersehnten Brezel zum Frühstück bekamen. Am Nachmittag trafen wir uns mit Freunden zu Kaffee und Kuchen. Die Beine sollten ja am Vortag nicht mehr zu viel bewegt werden. Als Carboloading für den Sonntag gab es nochmals feine Pfannkuchen im "Baltique Deli". Am Abend genossen wir die Aussicht über Frankfurt auf dem Main Tower. Da oben hatte es schon ordentlich geluftet, was das wohl für Vorzeichen für den Marathonsonntag waren?
Nach einer dank Umstellung auf Winterzeit verlängerten aber regnerischen und windigen Nacht, gab es am Sonntagmorgen ein kalorienreiches Frühstück in einem Kaffee. Danach ging es nochmals zurück ins Hotel für die letzten Vorbereitungen. Um 9:15h machte ich mich auf den Weg an die Messe zum Start. Es windete ordentlich, aber der Regen hatte zum Glück aufgehört und sogar die Sonne schaute etwas hervor, als ich mich 20 Minuten vor Start in meinen Startblock stellte. Das Rennen ging pünktlich los. Bis unser Startblock die Startlinie passierte, vergingen etwa vier Minuten, aber das ist ja dank der modernen Technologie bezüglich Zeitmessung kein Problem. Das erste Drittel vom Marathon verlief in einem ordentlichen Zick-Zack-Kurs durch die Innenstadt. Ein paar Mal wurde es eng und wir mussten das Tempo drosseln. Das zweite Drittel verlief dann mit viel Gegenwind nach Frankfurt Höchst. Zum Glück war ich mit einer ganzen Meute von Leuten unterwegs und konnte mich recht gut verstecken. Auf dem letzten Drittel ging es dann wieder zurück in die Innenstadt, wo man auf den letzten Kilometern nochmals einen Zick-Zack-Kurs durch die Innenstadt absolvierte, bevor es ins Ziel in die Messehalle ging.
Bis 30km war ich zu meiner Überraschung recht flott im 5er-Schnitt unterwegs und hatte in einiger Entfernung auch immer die beiden Pacemaker für 3h30min gesehen. Die langen Vorbereitungsläufe fehlten schon etwas und ich hatte zunehmend mit verspannten unteren Rücken- und hinteren Oberschenkelmuskeln zu kämpfen. Zudem drückte der Schuh auf die beiden zweitgrössten Zehen, obwohl ich im Training damit keine solchen Probleme hatte. Oder war es einfach der Hammermann, der zugeschlagen hatte? In Frankfurt steht er schliesslich persönlich an der Strecke. Nach 3h34min hatte das Leiden ein Ende und ich lief über die Ziellinie. Mit der Zeit bin ich zufrieden. Nebenbei würde es in der AK 45-49 sogar als Qualifikationszeit für den New York Marathon 2018 reichen.
So nun begebe ich mich in die wohlverdiente nach "Lust und Laune Trainieren Saison". Die Ideen für mögliche Sportevents 2018 werden mir so schnell schon nicht ausgehen.

Sonntag, 9. Juli 2017

Gigathlon 2017

Nachdem wir schon zwei Mal zu zweit und diverse Male im Team-of-Five am Gigathlon am Start waren, hatten wir für uns dieses Kapitel im 2015 mit der Ausgabe in Aarau eigentlich abgeschlossen. Als der Gigathlon im 2017 für Zürich angekündigt wurde, die Inlinestrecken zu Citytrails umgewandelt wurden und wir realisierten, dass wir nicht zwingend einen Supporter brauchen würden, hat es uns trotzdem nochmals gepackt und wir meldeten uns an.
Es war also sozusagen ein Heimrennen, da wir viele der Strecken schon grösstenteils kannten, sind wir im Vorfeld auch nur die Bikestrecken abgefahren und haben den Rest auf uns zukommen lassen. Etwas weniger erfreut waren wir, als wir von den Startzeiten erfuhren, am Samstag um 5:00h und am Sonntag um 7:00h. Mit zu Hause Schlafen wurde also nichts, so würde es zwei unruhige Nächte im Zelt geben. Mit Peter haben wir auch noch einen Supporter gefunden, welcher diese Aufgabe mit Freude erfüllte. Aber nun der Reihe nach:
Am Freitagnachmittag fuhren wir zuerst nach Uster, wo Philippe sein Bike in der Sportanlage Buchholz abgeben musste. Anschliessend ging es mit dem restlichen Material nach Zürich in die Saalsporthalle, wo wir die Startunterlagen abholten und das Zelt aufstellten. Um 15:00h hatten wir schon alles erledigt, so dass wir uns entschieden unseren Supporter, Peter, im Letztibad zu treffen und uns dort vor dem Abendessen abzukühlen. Anschliessend ging es zurück in die Saalsporthalle, wo wir uns mit Pasta verpflegten und bald darauf im Zelt Schlaf suchten.
Am Samstagmorgen klingelte der Wecker um 3:30h, ich hatte das Gefühl die ganze Nacht kein Auge zugetan zu haben. Nun ging es in die 100m entfernte Saalsporthalle zum Frühstück. Um 5:00h noch im Dunkeln dann der Startschuss zum 12km langen Citytrail. Schon bald ging es durch Parks, Treppen hoch, Treppen runter, über die Polyterrasse, durch den Lichthof der Uni und dann wieder hinunter Richtung See zum Zürihorn, wo ich nach etwa 64 Minuten eintraf. Dort angekommen wartete bereits Philippe mit dem Neopren auf mich. Gefühlt brauchte ich 5 Minuten bis ich in diesem Teil drin war, da ich bereits ordentlich geschwitzt hatte. Über einen kurzen Kiesweg ging es barfuss (Autsch die Erste!) in den Zürichsee. Nachdem ich die erste Boje mit etwas Schwierigkeiten gefunden hatte, schwamm ich von Boje zu Boje Richtung Zollikon und ein paar Meter weiter draussen wieder zurück ins Zürihorn. Für die Schwimmstrecke brauchte ich um die 65 Minuten. Als ich aus dem Wasser war ging es wieder barfuss über den Kiesweg (Autsch die Zweite!) zurück in die Wechselzone. Dort übergab ich den Chip an Philippe, welcher sich nun mit dem Rennrad auf eine 80km Runde durchs wunderschöne Züri Oberland mit Ziel in der Sportanlage Buchholz in Uster begab. In der Zwischenzeit machte ich mich mit Peter auf Richtung Bahnhof Stadelhofen, wo wir den Zug nach Uster nahmen. Da wir in Uster mehr als genug Zeit hatten, gönnten wir uns in der Bäckerei/Konditorei Steiner noch einen Café, bevor wir den Bus zur Sportanlage Buchholz nahmen. Nach 3 Stunden kam Philippe mit dem Rennrad angebraust und übergab mir den Chip. Nun hiess es eine 19km lange Runde über Volketswil und Fehraltorf in den Laufschuhen zu absolvieren.
In der Zwischenzeit war die Temperatur auf 30 Grad angestiegen. Die zwei Verpflegungsstellen mit Wasser und Getränken waren bei diesen Verhältnissen knapp bemessen. Zum Glück hatte eine Bauersfrau unterwegs zusätzlich noch Trinkwasser und Schwämme angeboten. Nach 1 Stunde und 43 Minuten war ich zurück in der Wechselzone. Ein kurzer Schock, Philippe stand nicht abfahrbereit da und ich musste ihn suchen. Nach 1 oder 2 Minuten haben wir uns zum Glück gefunden, er hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich schon so früh da sein würde. Nun hiess es für ihn mit dem Bike eine 60km-Schlaufe zurück nach Zürich zu absolvieren. Nach etwas weniger als 3h war er zurück in der Saalsporthalle. So schnell, dass Peter und ich seine Zieldurchfahrt gerade knapp verpasst hatten. Kurz vor 15:00h war der erste Tag für uns geschafft. Nun hatten wir genügend Zeit uns etwas zu erholen und uns geistig für den zweiten Tag vorzubereiten. Abendessen gab es wiederum in der Saalsporthalle. Da noch ein Gewitter mit Regen und ordentlichem Wind vorbeizog wurden um 19:30h alle Sportler aufgerufen, sich in die Saalsporthalle zu begeben. Um 20:30h gab es dann wieder grünes Licht, so dass wir zurück in die rote Zeltstadt durften.
Am Sonntagmorgen klingelte der Wecker um 5:30h. Geschlafen hatte ich auch in dieser Nacht eher unruhig, aber immerhin etwas länger als am Vortag. In der Saalsporthalle gab es wiederum Frühstück. Als wir zurück zum Zelt kamen, um unsere Sachen zu holen regnete es bereits und auch ein Donnern in der Ferne war ab und zu hörbar. Mir blieb nichts anderes übrig als meine Schwimm- und Laufsachen zu packen und den knapp 30-minütigen Marsch zur Landiwiese unter dem Regenschirm in Angriff zu nehmen. Wetterbedingt wurden die Startzeiten etwas nach hinten verschoben, so dass die Single- und Coupleathleten um 7:10h starteten. Der See hatten im Gegensatz zum Vortag einen ordentlichen Wellengang. Ich begab mich mit etwa 400 anderen Athleten ins Wasser, versuchte ruhig zu bleiben und arbeitete mich von Boje zu Boje. Nach 1.5km gab es einen Landgang, bevor die gleiche Strecke nochmals zu bewältigen war. Während dem Schwimmen hatte ich zweimal einen Beinschlag in die Schwimmbrille abgekriegt (Autsch die Dritte und Vierte!), aber sonst bin ich nach einer guten Stunde gesund und ohne Übelkeit dem Zürichsee entstiegen. In der Wechselzone wartete Philippe und übergab mir meine Laufschuhe. In der Zwischenzeit regnete es auch nicht mehr. Die 19km Laufstrecke ging zuerst dem See, dann der Limmat und am Schluss vom Triemli bis ins Albisgüetli dem Panoramaweg entlang. Alles Strecken die ich bestens kenne. Zurück in der Wechselzone bei der Saalsporthalle, hiess nun für Philippe erst mal rund 100km Rennradfahren Richtung Einsiedeln und wieder zurück nach Zürich. Peter und ich hatten nun genügend Zeit ein bisschen rumzuhängen und uns zu verpflegen. Ich checkte mal kurz die Rangliste und stellte mit Schrecken fest, dass wir nur noch a.K. (ausser Konkurrenz) klassiert waren. Eine Abklärung mit der Zeitmessung, ergab, dass ich angeblich am Vortag beim Schwimmen aufgegeben hätte. Ich zeigte meine Garminaufzeichnung vom Schwimmen und erklärte, dass da etwas nicht stimmen könnte. Kurze Zeit war zum Glück geklärt, dass sie die Aufgabe einer falschen Startnummer zugeordnet hatten und wir wieder zurück im Rennen.
Eine halbe Stunde bevor Philippe aufs Bike wechselte, wollten wir mit seinem Bike in der Wechselzone sein. Als wir das Bike holten, merkten wir dass das Hinterrad wenig Luft hatte. Dies war nicht ganz überraschend, da das Problem mit neuen Schlauchlosreifen und der Dichtmilch schon am Vortag bestand. Wir wussten, die Luft würde sicher 3h drinbleiben, aber eben unter Umständen nicht einen ganzen Tag lang. Also schnappten wir uns das Bike und liessen es beim Bike-Service pumpen. Dann mussten noch Philippe's Bidon gefüllt werden. Als wir das Bike gerade in die Wechselzone schoben, kam nach 3 Stunden und 45 Minuten auch schon Philippe mit dem Rennrad in die Wechselzone. Nun war er bereits auf seiner letzten Disziplin im Einsatz. Nochmals hiess es knapp 3 Stunden warten. In der Zwischenzeit baute ich mit Peter schon mal unser Zelt ab. Um 16:45h kam Philippe wieder in der Wechselzone an. Auf dem letzten Kilometer hat er sich noch das Knie im Bikepark aufgeschürft. Er musste unfreiwillig vom Bike, weil der vor ihm fahrende Athlet die schmale Passage im Bikepark nicht fahren konnte und abstieg (Autsch die Fünfte!). Ich übernahm den Chip und absolvierte als Abschluss nochmals einen knapp 12km langen Citytrail. Dieser war zum Glück etwas weniger anspruchsvoll als am Vortag. Nach einer guten Stunde war ich zurück in der Saalsporthalle, wo Philippe und ich gemeinsam den Zieleinlauf feiern konnten. Klassiert haben wir uns im vorderen Mittelfeld, damit sind wir ganz zufrieden.


Samstag, 3. Juni 2017

70.3 Championship Samorin

Nach der 70.3 Challenge in Heilbronn im letzten Juni hatte ich etwas überraschend E-Mail-Post bekommen, dass ich mich für die 70.3 Championship in Samorin qualifiziert hätte, da ich unter den ersten sechs in der Alterskategorie platziert war. Championship? Samorin? Was ist das? Wo liegt Samorin? Nach kurzer Überlegungszeit und nachdem ich rausgefunden hatte, dass Samorin in der Slowakei in unmittelbarer Nähe von Bratislava liegt, hatte ich mich schliesslich ohne weiter zu überlegen angemeldet. Ende letzten Jahres ging es dann darum, die Unterkunft und die Reise dahin zu organisieren. Leider war die für die Athleten empfohlene Unterkunft im x-Bionic Hotel in Samorin Ende November bereits ausgebucht. So buchte ich eine Unterkunft in Cunovo, welche direkt auf der anderen Donauseite von Samorin liegt. Für die Anreise buchte ich für Philippe und mich Flüge nach Wien und reservierte ein Mietauto um ins 80km entfernte Cunovo respektive Samorin zu gelangen.
Die Vorbereitungen für den anstehenden Wettkampf liefen insofern gut, als dass ich regelmässig am Laufen, Radfahren und Schwimmen war. Triathlonspezifisch hatte ich aber praktisch gar nicht trainiert: Kein Openwater-Training, kein Wechseltraining und den Tri-Aufsatz am in der Zwischenzeit zehn Jahre alten Rennrad hatte ich gerade einmal Probe gefahren vor der Anreise. Irgendwie war der Wettkampf doch plötzlich sehr früh in der Saison und ich gar noch nicht bereit dazu.
Am Donnerstagmorgen flogen wir schliesslich nach Wien und bezogen da unser Mietauto. Nach etwa einer Stunde Autofahrt erreichten wir unser Hotel. Den Nachmittag und Abend nutzen wir noch für eine Stadtbesichtigung per Rad in Bratislava, von Cunovo wunderbar in etwa 45 Minuten auf dem Donauradweg erreichbar. Am Freitagmorgen machten wir nochmals eine kurze Radtour, bevor wir nach Samorin zur Startnummern-Ausgabe und Bike-Check-In fuhren. Da es keine Fähre in Cunovo gibt, mussten wir uns mit dem Auto durch den Feierabendverkehr kämpfen, um auf die andere Seite der Donau zu gelangen und brauchten für die rund 40 Kilometer geschlagene 1 1/2h. Dort lief dann aber alles reibungslos und bevor wir wieder zurückfuhren, verpflegten wir uns an der Pasta-Party.
Am Samstag war schliesslich Raceday. Um 7:45h fuhren wir in Cunova ab und ich war um 8:30h in der Wechselzone. Der Start erfolgte zum Glück in Wellen, so dass eine grössere Schlägerei beim Schwimmstart nicht nötig sein sollte. Die Startzeit der Frauen 40 Plus war um 9:30h. Fünf Minuten vorher wurden wir ins Wasser gelassen und pünktlich fiel der Startschuss. Das Schwimmen verlief eigentlich gut, aber irgendwie war ich doch recht langsam unterwegs und die 1,9km in der Donau zogen sich in die Länge. Nun ging es durch eine lange Wechselzone zuerst zu den Kleidersäcken, dann ins Wechselzelt und schliesslich zum Rad. Die 90km-Radstrecke war flach und weitgehend auf guten Strassen, ausser die rund 12km auf dem Donauradweg waren teilweise etwas holprig. Auf dem Hinweg hatten wir wohl etwas Rückenwind, welcher sich auf dem Rückweg als leichter Gegenwind entpuppte. Nicht tragisch, aber halt bei zunehmender Ermüdung und Wärme doch bremsend. Trotzdem konnte ich auf dem Rad ein paar Plätze gutmachen. Zurück in der Wechselzone parkierte ich mein Rad, bezog meinen Kleiderbeutel, begab mich ins Wechselzelt und machte mich auf die Laufstrecke. Wir mussten drei Runden à 7km in der prallen Sonne absolvieren, jeweils ein Kilometer davon ging über Wiese und eine Pferderennbahn. Der weiche Untergrund empfand ich als nicht sehr angenehm und ich fühlte mich da jeweils ziemlich schlapp und ausgebremst. Obwohl ich nicht das Gefühl hatte sehr schnell unterwegs zu sein, überholte ich noch diverse Teilnehmerinnen und konnte Ränge gut machen. Nach rund 5 1/2h war ich schliesslich im Ziel und bin mit Rang 10 von 26 gestarteten Frauen in der AK 45-49 in Anbetracht der wenig triathlonspezifischen Vorbereitung auch mehr als zufrieden.

Sonntag, 20. November 2016

Frauenfelder Waffenlauf

So wie man als Läufer einmal zum 100-Kilometer Lauf nach Biel muss, so muss man einmal an den Frauenfelder Waffenlauf. Dies sagte ich mir vor einem Jahr, als ich erstmals in Frauenfeld am Halbmarathon teilgenommen hatte. Gesagt - Getan! Obwohl die Vorbereitungen nicht ideal waren, hatte ich mich vor etwas einem Monat dafür angemeldet. Suboptimal einerseits, weil ich seit längerem keine Lust auf längere Läufe von über zwei Stunden verspürte, andererseits fehlte mir zeitweise schlicht die Energie für härtere Einheiten, weil ich geschäftlich ziemlich unter Druck stand.
Am Tag vor dem Frauenfelder Waffenlauf war ich überhaupt nicht nervös. Die einzige Sorge war, ob ich am Start wirklich eine Packung erhalten würde. Mir wurde jedoch bestätigt, dass solche zur Verfügung stünden. Ich machte mir nicht mehr viele Gedanken, falls es am Start keine Packung geben würde, würde ich mich für den normalen Strassenmarathon ummelden.
Am Sonntag reiste ich frühzeitig mit dem Zug nach Frauenfeld. Den Anzug (TAZ) konnte ich sogleich in der kleinsten regulären Männergrösse und mit dem kürzesten Gurt beziehen. Packungen gab es auch gegen ein Depot von 50 CHF. Das Problem war jedoch, dass die Packung leer war und ich nun am Sonntagmorgen irgendwoher 5 Kilo Inhalt auftreiben sollte. Zudem war die Packung ein altes nicht sehr komfortables Modell. Ich irrte etwas fragend auf dem Gelände umher, bis der Zufall es wollte, dass ich auf Emil Berger traf (Organisator vom Wiedlisbacher Waffenlauf). Ich hatte Glück, und er hatte eine Ersatzpackung dabei. Diese konnte ich ausleihen und mein Problem war gelöst. Jetzt stand also einem Start nichts mehr im Weg.
Die Stimmung bei den Waffenläufern war sehr entspannt und freundlich. Um 9:30h mussten wir einstehen und marschierten danach gemeinsam zum Start auf dem Marktplatz in Frauenfeld. Dass die meisten vor dem Start nochmals auf Klo mussten war auch klar. Die Schlange bei 22 startenden Frauen mit einer verfügbaren Toilette war entsprechend lang.
Um 10:00h ertönte ein lauter Knall. Ich machte es wie die anderen und hielt mir die Ohren zu. Dann ging es los. Schon bald einmal gab es die ersten 100hm zu bewältigen. Ich startete nicht zu schnell, wusste ich doch, dass es mit dem Kräften zu haushalten galt, damit auf der zweiten Streckenhälfte noch genügenden Reserven vorhanden sein würden. Die ersten 13km lief ich im mystischen Nebel, danach zeigte sich die Sonne. Das Teilnehmerfeld von knapp 220 Waffenläufern zog sich schnell in die Länge. Einige Kilometer vor der Streckenhälfte überholten uns die ersten Marathonläufer, welche 1/2h später gestartet waren. Immer wieder waren Zuschauer an der Strecke, besonders durch das Städtchen Wil zu laufen war sehr motivierend. Dort machten sich die Halbmarathonläufer bereit, welche ab 12:30h ins Rennen geschickt wurden. Nach rund zwei Stunden waren die ersten 21 Kilometer mit rund 400hm geschafft. Die Sonne wärmte immer mehr, und es wurde heiss im Anzug. Das Gewicht am Rücken machte sich zunehmend bemerkbar und bei den Anstiegen hatte ich das Gefühlt richtig in den Boden gedrückt zu werden. Auf den letzten Kilometern war dann richtig viel Betrieb, da wir von den schnelleren Halbmarathon-Läufern ein- und überholt wurden. Nicht wenige liessen aufmunternde Worte fallen beim Vorbeiziehen. Nach 4h10m hatte ich es dann auch geschafft und überquerte die Ziellinie in Frauenfeld. Da wollte ich möglichst umgehend die Packung an Emil Berger zurückgeben. Leider habe ich ihn nicht auf Anhieb gefunden. Da hat man mir bei der Kleiderrückgabe versprochen, dass man sie ihm übergeben würde. Wie sich nachher herausstellte, hat das leider nicht geklappt, was mir sehr unrecht war. Zum Glück wurde die Packung im Verlauf vom Montag gefunden und kommt nun nach Wiedlisbach zurück. Wegen der ganzen Geschichte hatte ich vergessen meine Erinnerungsmedaille abzuholen, doch auch diese wurde mir postwendend nachgeschickt. So bin ich nun wieder um eine Lauferlebnis reicher.

Samstag, 6. August 2016

Munterwegs am Irontrail T41

Da ich für die Migros Ostschweiz Vorbereitungstrainings für den Irontrail in Wetzikon geleitet hatte, bin ich zu einem Gratis-Startplatz für den Irontrail gekommen. Ich habe mich für die Strecke T41 entschieden, welche gemäss Ausschreibung ungefähr einem Bergmarathon mit 42km und 2300hm entsprechen sollte.
Am Freitagabend bin ich nach dem Arbeiten zusammen mit Philippe nach Davos gereist. Um die Startnummer abzuholen reichte es nicht mehr, da dies nur bis 19:00h möglich war. So gönnten wir uns in der Lieblings-Pizzeria von Dario Cologna "Der Pate" eine feine Pizza, bevor wir im Sunstar Alpine Hotel eincheckten. Da der Start am Samstag vom T41 um 8:00h war, hätte ich gerne um 6:00h gefrühstückt, leider war das im Hotel nicht möglich. Ausnahmsweise war das Frühstück um 6:45h möglich, weil eine Gruppe sich angemeldet hatte.
Nach einer erholsamen Nacht klingelte der Wecker um 6:10h. Ich machte mich parat und war kurz vor 6:45h beim Frühstücksraum. Zusammen mit einem anderen Läufer und etwa 30 Pensionierten plünderte ich das Frühstücksbüffet, d.h. ich konnte in 15 Minuten gar nicht so viel essen. Ein Brötchen schnappte ich mir dann noch, welches ich für unterwegs in den Trailrucksack packte. Um 7:05h machte ich mich auf zum ca. 1km entfernten Startgelände, wo auch die Startnummernausgabe war. Da hatte ich noch genügend Zeit, um die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Mit 140 weiteren Läufern wurde ich um 8:00h auf die Strecke geschickt. Nach etwa 500 flachen Metern ging es bereits in den Anstieg auf die Schatzalp. Einige Teilnehmer legten schon ein ordentliches Tempo hin, ich joggte gemütlich, mit vollem Magen ging es nicht schneller, zudem war der Tag noch lang. Von der Schatzalp ging es weiter zur Stafelalp. Bis zur ersten Verpflegung bei Km 12 konnte man viele Passagen noch joggend zurücklegen, danach wurde es zu steil und marschieren war angesagt. Wettermässig hatten wir Glück, teilweise zeigte sich sogar die Sonne, nachdem es den ganzen Vortag geregnet hatte. Im Abstieg nach Arosa merkte man dann aber schon, dass es an vielen Stellen feucht und rutschig war. Wie immer im technischen Downhill komme ich nicht so schnell vorwärts wie mir lieb wäre und ich werde tendenziell überholt. Auch wäre ich froh gewesen, Stöcke dabei zu haben. Da ich aber nicht damit trainiert hatte, hatte ich natürlich nicht daran gedacht, sie einzupacken. In Arosa drehten wir eine Runde durch Innerarosa. Es dauerte ewig, bis die Verpflegung kam. Gemäss Ausschreibung hätte sie bei Km 26 sein müssen, jedoch war es erst bei Km 28 soweit. Ich trank zwei Becher Cola und schnappte mir zwei Gels und zwei Riegel für unterwegs. Das Brötchen vom Frühstück hatte ich inzwischen während einem Aufstieg, wo ich am Marschieren war, verdrückt.
Wegen den vielen Regenfällen an den Vortagen war ein Teil der Originalstrecke gesperrt und wir mussten ein Stück von etwa 2km wieder gleich zurück, wie wir gekommen waren. Nach der Verpflegung war ich über eine Stunde alleine unterwegs, das Feld hatte sich total auseinandergezogen. Mehrere Male fragte ich entgegenkommende Wanderer, ob sie noch weitere Leute mit Startnummern gesehen hätten. Dem war so. Die Strecke war jedoch insgesamt sehr gut markiert, aber wenn man keine anderen Teilnehmer mehr sieht, fühlt man sich schnell etwas verunsichert. Nun ging es wieder den Berg hoch in Richtung Medergen Alp, meistens war es zum Joggen zu steil. Von der Medergen Alp bogen wir rechts ab und es ging noch weiter den Berg hoch, um anschliessend diese Höhenmeter wieder zu vernichten. Auch von einer Bachbettdurchquerung blieben wir nicht verschont. Einmal mehr wurden meine Füsse an diesem Tag nass. Im Tal unten angekommen, stand mir nun mit dem Strelapass der letzte Anstieg des Tages bevor. Bei Km 42 war ich immer noch im Anstieg, als von Philippe eine SMS kam: "Bin jetzt im Kaffee Klatsch". Hm, das würde wieder mal mehr als ein Marathon geben, ich wusste, dass es auf dem Strelapass noch 5km runter ging nach Davos. Ich habe dann kurz mit Philippe telefoniert und ihm gesagt, dass es noch ein Moment dauern würde, bis ich im Ziel ankäme. Auf dem Strelapass gab es noch die letzte Verpflegungsstelle und von da an ging es nur noch runter. Die ersten zwei Kilometer runter erforderten nochmals die volle Konzentration um nicht zu stürzen, die letzten 3km von der Schatzalp runter ins Ziel waren dann noch ein Ausrollen. Doch Vollgas konnte ich da mit den vom Bremsen schmerzenden Oberschenkeln auch nicht mehr geben. Nach 7h51m joggen und speedwandern bin ich schliesslich im Ziel angekommen. Die Strecke war rund 48km lang und beinhaltete 2500hm. Es war ein sehr schöner Event, auch wenn mich der Muskelkater in den Oberschenkeln noch mehrere Tage daran erinnern sollte.
Track: https://connect.garmin.com/modern/activity/1291080877

Sonntag, 8. Mai 2016

Riesenbecker Sixdays

Vor einem knappen Jahr erzählte uns Heike von den Riesenbecker Sixdays, welche alle zwei Jahre in ihrer Heimat um Ibbenbüren stattfinden. Sie konnte sieben weitere Freizeitsportler begeistern, sich für diesen Event anzumelden, so auch Philippe und mich. Am Freitagnachmittag vor dem Anlass flogen wir nach Düsseldorf und von da ging es mit dem Zug weiter. Ibbenbüren liegt zwischen Münster und Osnabrück. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde, waren wir doch noch nie in dieser Region unterwegs. Als erstes wollte der Zugschaffner wissen, wo denn unser Grüppchen hinreisen würde. Als wir ihm sagten, dass wir nach Ibbenbüren wollten, sagte er nur erstaunt: "Was Urlaub in Ibbenbüren - da fahr ich jeden Tag mit den Zug durch." Am Bahnhof wurden wir von Heike's Papi, Werner, abgeholt und ins Hotel Leugermann gefahren, wo wir uns relativ spät noch ein Abendessen gönnten.
Der Start der ersten Etappe war am Samstagnachmittag in Riesenbeck. Werner fuhr uns eine Stunde vor Start hin. Es war relativ kühl und regnerisch. Einlaufen wollte fast niemand, würden wir doch in den kommenden Tagen mit 120km noch genug zum Laufen kommen. Mit Musik und dem Riesenbecker-Medley wurden wir in Stimmung gebracht. Pünktlich um 14:00h wurde das etwa 550 Läufer umfassende Feld auf die knapp 19km lange Strecke geschickt. Philippe hatte bereits im Voraus entschieden, dass er die Etappen mit mir laufen würde. So war es für ihn ein gutes Training und er konnte die Aussicht geniessen, oder so ähnlich... Die erste Etappe war bis Km 15 flach. Danach ging es auf einem Trail 100hm hinauf und dann wieder runter, wo in Ibbenbüren das Ziel war. Ich bin wohl etwas zu schnell losgelaufen, weil ich kalt hatte. Nach knapp 1 1/2 h waren wir im Ziel. Die Rangliste interessierte mich nicht sonderlich, waren doch 34 Läuferinnen in meiner Kategorie angemeldet. Als mir dann Heike am Abend sagte, dass ich die Kategorie nach der ersten Etappe anführen würde und einen Vorsprung von über 9 Minuten auf die zweite hätte, da staunte ich schon etwas. Würde sich mein Schnellstart in den kommenden Tagen rächen?
Am Sonntag um 14:00h ging es bereits auf die Königsetappe, welche gut 20km lang und mit fast 400hm gespickt war. Der Start war in Ibbenbüren und wir liefen bei herrlichem Wetter in den malerischen Ausflugsort Tecklenburg. Etwa ein Drittel der Strecke war Offroad. Insbesondere die Trails waren nicht meine Stärke, da wurde ich oft von Männern überholt. Ist wohl auch eine Kraftsache, da schnell laufen zu können. Auf dem Asphalt lief es mir dann jeweils wieder besser. Bei dieser Etappe vernichtete man 5km vor dem Ziel auf dem Hexenpfad rund 100hm, welche es danach mit dem Aufstieg ins Himmelreich vor Etappenende wieder zu bewältigen galt. Nach 1 3/4h war das Tagesziel erreicht. In der Kategorie war mein Vorsprung nicht mehr ganz so gross wie am Vortag, aber ich konnte ihn um weitere fünf Minuten ausbauen.
Am Montag war der Start zur dritten Etappe um 18:00h in Tecklenburg. Von da ging rund 18km nach Mettingen. Die Trails im Wald waren anspruchsvoll, da die Sonne voll entgegen schien und man zeitweise nichts sah. Mich stresste das etwas, da ich nicht stürzen wollte. Plötzlich hörte ich ein Holpern hinter mir und hoffte, dass es nicht Philippe war. Nach etwa einer Minute hatte er wieder zu mir aufgeschlossen, er war tatsächlich gestürzt. Zum Glück hatte es ihm nichts gemacht. Er war bei weitem nicht der einzige Teilnehmer, welche in dieser Woche einen Abflug von der Piste gemacht hatte. Nach gut 1 1/2h Stunden war die Strecke mit rund 200hm auch geschafft.
Am Dienstagmorgen fuhren wir nach Münster, wo wir an einer Stadtbesichtigung teilnahmen. Eine sehenswerte Studentenstadt, wo alle mit dem Fahrrad unterwegs sind. Am Nachmittag ging es wieder zurück nach Ibbenbüren und Werner brachte uns gegen Abend nach Mettingen. Hier gab es leider nur ein WC pro Geschlecht, so dass wir 15 Minuten vor dem Start immer noch am Anstehen waren. Irgendwie schafften wir es ins Startfeld, als das Medley lief, welches einen schon vor dem Start zum Hüpfen und Tanzen motivierte. Bis nach Ibbenbüren Dickenberg stand mit gut 17km und knapp 300hm die kürzeste Etappe auf dem Programm. Auch diese bewältigten wir in 1 1/2h. Langsam machten sich die Kilometer in den Beinen bemerkbar und es wurde immer wichtiger, sich bis am nächsten Tag gut zu erholen.
Um die Beine zu lockern gingen ein Teil unserer Gruppe in die Massage, ich machte am Mittwochmorgen einen Ausflug ins fast leere Aaseebad in Ibbenbüren, wo ich gemütlich einen Kilometer geschwommen bin. Am Abend fuhr uns Werner nach Ibbenbüren Dickenberg zum Start der fünften Etappe. Diese war mit gut 22km und knapp 300hm die zweitlängste Etappe. Auch hier wurden wir fünf Kilometer vor dem Ziel noch einmal gefordert, wo es auf einen schmalen Trail und Treppen runter ging. Nun merkte ich nicht nur die Beine, sondern auch langsam die Füsse, vor allem die Zehen und die Zehennägel. Wir schafften es ins Ziel beim Aasee in Ibbenbüren und das sogar noch unter zwei Stunden.
Am Auffahrtsdonnerstag war der Start zur sechsten Etappe wieder um 14:00h. Mit knapp 23km und 200hm war die letzte auch gleich die längste Strecke. In der Zwischenzeit war es ordentlich warm geworden. Die Strecke führte von Ibbenbüren Aasee zurück nach Riesenbeck, wo wir sechs Tage zuvor zu unserem Abenteuer aufgebrochen sind. Noch ein letztes Mal wurde das Medley gespielt und die Läuferschar auf die Strecke geschickt. Die ersten Kilometer waren flach, doch bei Kilometer 8 ging es wieder auf einen Trail. Bis Kilometer 12.5 waren wir Offroad unterwegs und man musste sich mit den müden Beinen ordentlich konzentrieren, damit man nicht über eine Unebenheit stolperte. Ab Kilometer 10 vor dem Ziel waren das erste und einzige Mal bei dieser Veranstaltung Kilometertafeln angebracht. Nun ging es zuerst runter und die letzten Kilometer waren schliesslich flach, so dass ich noch in einem zügigen Marathontempo ins Ziel laufen konnte, Zum Glück hatte ich auf dem Trailteil noch nicht alle Körner verschossen.
Im Ziel gab es das begehrte Finisher-Shirt und am Abend noch das Abschlussfest, wo die ersten fünf aller Altersklassen geehrt wurden. So durfte ich, nachdem ich in allen Etappen die Altersklasse W45 gewonnen hatte (so zu sagen "Start-Ziel-Sieg"), auch auf die Bühne und einen Rucksack sowie einen Check über 55 Euro entgegen nehmen.
Es war ein toller Anlass, welcher von Michael Brinkmann und seinem Team alle zwei Jahre mit viel Herzblut organisiert wird. Wer weiss, vielleicht sind wir 2018 wieder dabei. Uns hat es gefallen, der Lauf, die Gesellschaft, die Landschaft und das Essen (insbesondere Kuchen, Waffeln und Co. :o).
Tracks:
1. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1148064710
2. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1149959341
3. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1151493886
4. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1152504680
5. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1153985511
6. Etappe: https://connect.garmin.com/modern/activity/1155587702

Sonntag, 24. April 2016

Meine Waffenlaufpremiere in Wiedlisbach

So wie jeder Läufer mal an den Bieler 100km-Lauf muss, sollte er oder sie sich auch mal unter die Waffenläufer mischen. Gesagt - Getan. Relativ kurzfristig hatte ich mich für den Wiedlisbacher Jubiläumslauf über 30.5km und 500hm angemeldet. Mit Absicht erzählte ich nicht vielen Leuten davon, wusste ich doch nicht, wie ich die 30.5km im Anzug und mit 5Kg-Packung am Rücken überstehen würde.
Am Sonntag war es dann soweit. Die Wetterprognosen waren wechselhaft und kalt. Ich hoffte, dass wir für den Lauf einen trockenen Abschnitt erwischen würden, da ich keine Lust hatte, die Distanz in einem schweren nassen Anzug zu bewältigen. Mit dem Zug reiste ich nach Wiedlisbach. 1 1/2h vor dem Start war ich bei der Startnummernausgabe und konnte einen Anzug und eine Packung beziehen. Ich war positiv überrascht, dass es einen Anzug in meiner Grösse gab, da ich von anderen Waffenläuferinnen gehört habe, dass sie oft mit zu grossen Anzügen rennen mussten. Die kleinste und kürzesten Hose, die verfügbar war, passte perfekt und das kleinste Oberteil war mit Ausnahme der etwas langen Ärmeln auch in Ordnung. Die relativ kleine Frauengarderobe war gut gefüllt. Zur Freude des Veranstalters hatten sich über 30 Frauen angemeldet und wie ich vernahm, war ich nicht der einzige weibliche Neuling. Schnell kam man mit den anderen ins Gespräch und bekam auch noch den einen oder anderen Tipp, wie man den Anzug und die Packung tragen sollte.


Um 10 Uhr erfolgte der Start und rund 200 Männer und 30 Frauen wurden ins Rennen geschickt. Nach einer flachen Runde im Dorf ging es auf den ersten 4km bereits 200hm nach Rumisberg hoch. Hoppla, dieser Anstieg mit dem Gewicht am Rücken war schon ganz happig. Schnell merkte ich, dass ich ein deutlich langsameres Tempo anschlagen musste, als bei gewöhnlichen Strassenläufen. Ich erhoffte mir, die 30.5km und 500hm unter 3h bewältigen zu können. Kurz vor Hälfte lief ich auf Rosmarie auf, welche etwa das gleiche Tempo wie ich hatte. Auch für sie war es der erste Waffenlauf. Für die erste Streckenhälfte bis nach Solothurn hatte ich etwas mehr als 1h30m gebraucht, aber 2/3 der Höhenmeter waren Gott sei Dank schon bewältigt. Mit Rosmarie lief ich einige Kilometer durch Solothurn und wir zogen uns gegenseitig, mal war sie ein paar Meter vor mir, mal ich ein paar Meter weiter vorne. Dann wurde es richtig streng auf den letzten 5km und ich verlor sie aus den Augen. Das Wetter machte mit und wir hatten trocken und teilweise schien sogar die Sonne. 2km vor dem Ziel begann es allerdings ordentlich zu winden. Hier sah ich dann plötzlich zwei weitere Frauen vor mir, welche ich sogar noch überholen konnte. Schliesslich kam ich als sechste Frau nach 2h55m ins Ziel, was in der AK über 40 Rang 5 bedeutete. Als ich im Ziel war begann es bald zu regnen und zu schneien. Zum Glück konnte ich nun ab unter die warme Dusche. Anschliessend gab es im Festsaal Hörnli mit Gehacktem und Apfelmus, bevor die Ehrungen und die Rangverkündigung losgingen. Das Schöne an den Waffenläufen, man darf aufs Treppchen und bekommt eine Medaille bis Rang 5. Und so reiste ich von meinem ersten Waffenlauf mit einer Medaille nach Hause. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das so gut hinter mich bringen würde. Trotz Anzug und Packung war ich nirgends am Körper wundgescheuert. Allerdings hatte ich am Montag schon etwas schwere Beine und ein paar Druckstellen an den Schultern. Aber wie heisst es so schön: "Der Schmerz geht - Der Stolz bleibt". In diesem Sinn, starte ich vielleicht wieder mal zu einem Waffenlauf.
Track: https://connect.garmin.com/modern/activity/1139885820